Die Anreise nach Panama war erstmal das aufregendste der ganzen bisherigen Reise. Von Bonaire muss man über Curaçao fliegen, dort Gepäck abholen und wieder neu einchecken. Aber das war ja eigentlich kein Problem.

Die große Sorge stellte sich ein, als morgens nach dem Schildkröten-Schnorcheln der Taxifahrer sagte "Meine Frau arbeitet am Flughafen und hat grade erzählt, alle Flüge seien bis auf weiteres gestrichen". Großes Trara, diverse Webseiten und Nachrichten gecheckt, alle gefragt, die auf dem Weg vorbei kamen. Tja...wenn man so nah an Venezuela liegt und dort in der Nacht Dinge passieren, auf die keiner vorbereitet war, dann herrscht natürlich erstmal Panik. Es waren auch tatsächlich alle Flüge aus und in die USA gestrichen worden. Nur nach Miami kam man noch, weil man da nicht über Land muss. Inter-Island-Flüge waren erstmal nicht betroffen, also ging es wenigstens schonmal in der winzigen Propellermaschine zurück nach Curaçao.
Dort dann die große Erleichterung: Flüge nach Panama waren nicht von irgendwelchen Streichungen betroffen, also konnte meine Reise wie geplant weitergehen.
Am Tocumen-Flughafen in Panama City wartete ein Fahrer auf mich, der mich ins Hostel brachte für eine Nacht, bevor es dann Richtung Sprachschule weitergehen sollte. Erster Eindruck von Panama-Stadt: groß, durcheinander, laut, so richtig Großstadt eben. Als ich im Supermarkt sah, wie die Security mit Gewehren ausgestattet am Eingang stand und jeden Shopper ganz genau unter die Lupe nahm, verging mir die Lust auf Stadt direkt.

Also schnell wieder weg. Weil ich erst am nächsten Nachmittag abgeholt werden sollte, blieb ein halber Tag in der Hauptstadt und in weiser Voraussicht (ich war ja noch nie Großstadt-Fan) hatte ich mir direkt einen Ausflug für den frühen Morgen gebucht.
Mit dem Kleinbus ging es in aller Herrgottsfrüh gen Nordwesten in die Schutzgebiete um den Lago Gatún, dort hüpften wir ins Boot, machten einen kleinen Schlenker über den Panamakanal und gingen dann auf die Suche nach allem, was da interessantes so kreucht und fleucht.
In unserer Reisegruppe waren außer mir noch Brasilianer, El Salvadorianer und Puerto Ricaner, alle besser in Spanisch als Englisch. Damit unsere Begleitung nicht zweisprachig machen musste und sie für die anwesenden Kinder und die Brasilianer sowieso langsam Spanisch redete, bot ich an "wird schon irgendwie gehen". Und tatsächlich: 7 Jahre Spanisch lernen hat Spuren hinterlassen und ich habe mehr als 50% ihrer Erzählungen einigermaßen verstanden. Mit ein bisschen Herleitungs-Gabe hat das echt gut geklappt und jetzt freue ich mich umso mehr, dann auch endlich im Reden fließender zu werden und nicht nur zuhören zu müssen.

Das kleine Boot brachte uns ganz nah an die Ufer der vielen kleinen Inseln, die auch Monkey Islands genannt werden, oder Islas de los monos. Als der Motor aus war, sprach unser Skipper ganz faszinierend Affisch, er zwitscherte und gluckste und rief und keine Minute später kam auch schon der Ober-Kapuziner angeflitzt. Die Äffchen hier sind wild, aber haben gelernt, dass es was spannendes neues zu erkunden gibt, wenn sie gerufen werden, also kommen sie gern vorbei und untersuchen, was das Boot so zu bieten hat. Rucksäcke soll man lieber zu lassen, damit sie sich nicht verletzen wenn sie reinklettern. Wenn nicht zu viele Boote da sind, bringen die Skipper ein paar Erdnüsse mit. Den Kapuzinern konnte man richtig ansehen, dass das ein willkommener Snack war - und damit sie sich nicht dran gewöhnen, waren die Nüsse genau abgezählt, mehr als 8 halbe gabs nicht pro Stopp und Affenfamilie.
Am nächsten Stopp hüpfte ein Mama-Äffchen aus dem Urwald - der Skipper sagte, das passiert nicht so oft, denn die Mamas fressen immer als allerletzes, erst wenn der Papa satt ist oder die Erlaubnis gibt. Ihr Kleines war schon alleine unterwegs, aber wollte dann doch lieber kuscheln kommen und hüpfte zurück auf den mütterlichen Rücken direkt neben mir auf der Bootsbrüstung. Um an die Erdnüsse zu kommen, hüpfen die Äffchen über alles, egal ob Beine, Arme, Köpfe, Taschen. Und ihre Füße sind ganz weich und gepolstert, damit sie sich nicht verletzen beim Klettern und Hüpfen.

Auf der nächsten Insel besuchten uns auch noch Geoffroy-Perückenaffen, deren englischer Name tamarin monkey so viel einfacher zu merken ist. Die sind so klein, dass sie keine Erdnüsse bekommen, daran könnten sie sich verschlucken oder schlimmeres. Stattdessen gibt es als Gastgeschenk ein bisschen Paste aus dem lokalen Gemüse, dessen Namen ich vergessen habe, was aber gekocht schmeckt wie Kartoffeln. Das fanden sie offensichtlich auch ganz lecker und ließen sich ganz bereitwillig fotografieren, bevor sie wieder in den Dschungel abzischten.
Und dann passierte es tatsächlich, obwohl es doch erst mein erster Tag in Panama war: da hing ein flauschiges Knäuel oben im Baum in der gleichen Farbe wie die Baumrinde und faulenzte in der Astgabel. Ganz eindeutig: mein erstes Faultier!!
Als ihm sein Popo gejuckt hat, hat es sich sogar bewegt und ist schneller als gedacht den Ast entlang gehangelt.
Der Zwischenstopp in Panama-Stadt hat sich also doch gelohnt, und wenn hauptsächlich für den Ausflug nach auswärts.



















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