Auf dem C vom ABC

Damit sich der Trip zu den ABCs auch lohnt, mussten ja schon zwei der Inseln sein. Curaçaos Hauptstadt Willemstad hat mich schon sehr beeindruckt mit der ganzen Streetart an jeder Ecke, aber natürlich wollte ich auch noch anderes sehen.

Streetart in Willemstad
Streetart in Willemstad

Einen Abend verbrachte ich auf einem Katamaran, der zum Sonnenuntergang um den südlichen Zipfel der Insel tuckerte und auf dem mich eine sehr nette Amerikanerin mit ihrer Familie für den Abend "adoptiert" hat. Ich bin es ja gewohnt, alleine unterwegs zu sein - etwas, das ich dabei besonders mag, ist mit Fremden ins Gespräch zu kommen. Das passiert zu zweit meist nicht ganz so oft.

Aber natürlich bleibt es eine Überraschung wenn man alleine eine Tour mitmacht, ob jemand auch bereit ist einen in die eigene Gruppe zu integrieren.

 

Charlotte war etwas älter als ich, aus North Carolina und ganz offensichtlich sehr glücklich darüber, mal mit jemand anderem als ihrem Mann und ihrem Sohn zu reden. Und in Gesellschaft besäuft es sich ja auch so viel besser, sodass ich ganz beseelt abends im Bus zurück in die Stadt saß. 

 

Jan Thiel heißt der Ort im Südosten der Hauptstadt und hier wohnen vor allem die, die Geld zum rausschmeißen haben, wenn man sich die Villen hier anschaut. Das meiste sind wohl Zweitwohnsitze reicher Europäer oder Amerikaner, man sieht auch überall Werbung von Immobilienmaklern, die bei der Suche nach dem perfekten "Home away from home" helfen, wenn man es im Winter einfach nicht mehr in der Kälte aushält.

Leguan an den Hato-Höhlen
Leguan an den Hato-Höhlen

Damit keine Langeweile aufkommt, gings am nächsten Tag im Kleinbus in die andere Richtung. Im Norden liegen die Hato-Höhlen, die wie so viele in der Region und in anderen ehemaligen Kolonien irgendwann in ihrer Geschichte mal von geflüchteten Sklaven bewohnt wurden. Teilweise sind die riesig groß und man geht davon aus, dass mindestens die Hälfte der Höhlen noch nicht erkundet wurden. 

Auf Bonaire gab es einen Mann, der im Gefängnis saß und ausgebrochen ist. Dann hat er es den Sklaven gleichgetan, ist in die Wildnis geflüchtet, hat sich irgendwo eine Höhle gesucht und sich so lange dort versteckt, bis die Polizei aufgehört hat nach ihm zu suchen. Irgendwann hatte er keine Lust mehr auf die Einsamkeit, hat sich gestellt und wurde wieder eingesperrt. Als ihm das zu blöd wurde, hat er das gleiche Spiel wieder gespielt, insgesamt mehrere Jahrzehnte lang bis zu seinem Tod vor ein paar Jahren, immer wieder ausgebüxt und irgendwann gekommen. Die Höhlen hier eignen sich also heute noch zum Wohnen, wenn man weiß wie man es anzustellen hat und sich nicht von den Nationalparkrangern finden lässt.

 

Weiter Richtung anderes Ende von Curaçao merkt man schnell, dass sich das meiste Leben in und um Willemstad abspielt. Es gibt noch ein paar kleinere Ortszentren, aber ohne touristische Infrastruktur und ohne fancy Villen. Die Häuser sind trotzdem alle schön bunt und selbst in Nachbarschaften, wo alle Einheiten baugleich sind, hat jeder seine eigene Farbe. Ich glaube ja, sie wären hier genauso empört, wenn der Nachbar sein Haus weiß streichen würde, wie wenn man in einer deutschen Reihenhaussiedlung plötzlich auf ein knallpinkes Haus gegenüber schauen müsste.

Grote Knip - das soll der schönste Strand Curaçaos sein...wäre er nur nicht so voll!
Grote Knip - das soll der schönste Strand Curaçaos sein...wäre er nur nicht so voll!

Was entlang der großen Straße Richtung Nordwesten auch auffiel, waren die riesigen Vuurwerk-Schilder, -Fahnen uns -Billboards, die den Verkauf von Feuerwerk anpriesen. Die sprießen wohl immer nach Weihnachten gefühlt über Nacht aus dem Boden. Curaçao hat eine recht große chinesische Gemeinde, die sonst vor allem die kleinen Supermärkte betreibt. Feuerwerk aus China hat also keine Probleme mit anderen Waren nach Curaçao zu kommen. 

Weil im Dezember touristische Hochsaison ist und alles ausgebucht ist, verwandeln sich die Büros der Mietwagenanbieter also für eine Woche zu Feuerwerksständen und ihre Parkflächen zu Kundenparkplätzen, auf denen sich auch ganz hervorragend demonstrieren lässt, wie toll das angebotene Feuerwerk ist.

 

Egal, das Silvester noch ein paar Tage hin war und es tagsüber knallhell ist, geballert wurde die ganze Zeit nach meiner Ankunft. Manchmal knallte es in der Nähe meines BnBs richtig laut (ich tippe auf Kugelbomben) und irgendwo ging eine Alarmanlage an, die dann ewig nicht aufhörte. Das ganze alle paar Stunden, aber im Dunkeln dann nicht mehr so oft...seltsam.

 

Als ich am 31. die Insel verließ und Sidney mich zum Flughafen brachte, hielten wir auf dem Weg an seinem Zuhause, damit er die Alarmanlage deaktivieren konnte (wie das für die Neujahrsnacht wohl alle machen), nachdem er schon den Briefkasten abmontiert hatte, damit sie ihm den nicht absprengen.

Tatsächlich eine Schildkröte am Turtle Beach
Tatsächlich eine Schildkröte am Turtle Beach

Aber vorher musste ich ja noch das westliche Ende Curaçaos erkunden gehen. Am Playa Peskadó (von spanisch "pescador" = Fischer) kommen jeden Vormittag die Fischerleute zusammen und sichten ihren Fang, um ihn für den Verkauf vorzubereiten. In einer kleinen Hütte direkt am Strand machen sie das und werfen alle Reste hinter sich ins Wasser. Entsprechend sitzt alles voll mit Pelikanen, die auf die Reste schielen. Weil sich die Pelikane dort wohl fühlen und sich auch öfters mal erleichtern müssen nach dem ganzen Fisch, wachsen Algen gut auf den Steinen im seichten Wasser. Das wiederum lockt andere Meeresbewohner an, die gerne an den Steinen knabbern um alle Nährstoffe rauszubekommen. Die geben dem Strand seinen inoffiziellen Namen: Turtle Beach.

 

Und tatsächlich: kaum den Schnorchel in den Mund gestopft und den Kopf unter Wasser gehalten, war auch direkt eine da, eine grüne Meeresschildkröte, die dank internationaler Bemühungen seit Ende 2025 endlich nicht mehr auf der Liste der gefährdeten Arten steht, aber trotzdem was besonderes ist, wenn sie einem begegnet.

 

Obwohl es dort am Strand recht voll war, hat es mir da besser gefallen als an unserem nächsten Stopp. Der Grote Knip (Papiamentu für "große Klippe") soll der schönste Strand auf dieser Seite der Insel sein. Und "diese Seite" heißt in dem Fall auch gleichzeitig, dass es sich um einen natürlichen Strand handelt, denn an der Ostküste wird viel Sand durch Strömung und Wind abgetragen und die Strände daher mit Sand aus Mexiko aufgeschüttet.

Vielleicht hab ich in meinem Leben einfach schon zu viele Traumstrände gesehen (geht das eigentlich überhaupt?), aber bei diesen Menschenmassen hat man vom Strand, dem türkisen Wasser und dem pudrigen weißen Sand eigentlich kaum was gesehen.

Für mich war das also das Zeichen: Abreise nötig, denn in Bonaire ist zwar genauso Hochsaison, aber insgesamt geht es auf Curaçaos kleiner Schwester einfach sehr viel entspannter zu.

 

Am Abreisetag gab es noch einen kleinen Abstecher auf den Friedhof ums Eck, weil er so verwunschenen und besonders aussah. Von den Cookinseln kenne ich das schon, dass man seine Toten oberirdisch beisetzt, weil der Boden bei heftigen Regengüssen oder Hochwasser oft unterspült wird und man mit Beton und Fliesen eine stabilere Ruhestätte hat. Auf den niederländischen Antillen mag es sich auch so entwickelt haben, hauptsächlich weiß man heute "das macht man halt so". Wer seine Toten unter der Erde begräbt, zeigt der Welt, dass er zu arm ist für ein "anständiges" Grab.

 

 

Also auch das Rätsel gelöst und so konnte ich guten Gewissens nach Bonaire düsen. 

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