It's all fun and games...until...

Moin liebe Leute, ausnahmsweise gehe ich nicht schon um 9 ins Bett und beschere euch mal wieder ein bisschen was zum Schmökern, wenn euch danach ist. Ich dachte, ich erzähl euch mal ein bissl was aus der Arbeit, jetzt, wo ich praktisch als volle Mitarbeiterin in der Reservations-Abteilung sitze und hart am Schaffen bin.

Mos, die schwangere Kollegin, fängt langsam an, mir ihre Buchungsanfragen weiterzuleiten, damit ich ganz langsam in die Handhabung des europäischen Marktes und die damit verbundenen riesigen Buchungen eingeführt werde. Wenn sie geht, hat sie die Kundenmärkte Belgien, Schweden, Holland, Schweiz, Österreich und Deutschland abzugeben und weil ich ja eh neu bin und noch keine eigenen Märkte habe, bin ich Wunschkandidat Nummer Eins – ich glaube, auch ein bisschen weil sie es so toll findet, mir Sachen zu erklären. Mos ist ne total liebe und mächtig schwangere Polynesian Mumma und das ist eigentlich echt blöd, dass sie in spätestens nem Monat wohl gehen wird. Wenn da nicht die Aussicht auf Belgien wäre. Hmm. Deutschland sollte eigentlich an eine Kollegin gehen, die wurde jetzt aber gefeuert, deswegen ist die Reservations-Abteilung unterbesetzt und wenn ich ein bisschen Glück habe, kann ich vielleicht sogar den deutschen Markt abgreifen. Die wissen natürlich selbst, dass ich perfekt wäre für die Kundenkorrespondenz mit den Deutschen, aber der Markt ist einfach mit einer der größten in Europa deswegen müssen wir mal abwarten. Also drückt fleißig die Daumen!

im richtigen Licht sieht man den Magen von Geckos an der Scheibe
im richtigen Licht sieht man den Magen von Geckos an der Scheibe

Ein paar deutsche Anfragen habe ich schon beantwortet. Und es hat sich rausgestellt, dass sich die deutschen neben den belgischen und schwedischen Reisebüros mit am dümmsten anstellen wenn es um aussagekräftige Buchungsanfragen geht. Vier von den sechs Anfragen, die ich von Mos bekommen hatte, haben sich jeweils eine ganze Woche lang hingezogen, weil die zuständigen Reisebüroleute zu blöd waren, das zu tun, was ich ihnen gesagt habe. Da werden Touren und Events gebucht für Samstag, die nur unter der Woche stattfinden, zwei Nächte Hotel gebucht in einem Luxushaus, das Mindestaufenthalt von fünf Nächten hat und so viel mehr, ins Detail gehen will ich da jetzt nicht.

 

Wo ich am Anfang dachte „Mensch, was machen die denn den ganzen Tag mit den paar Anfragen?“ frage ich mich jetzt „waaah, wie machen die das?“ Schon ziemlich anstrengend manchmal, den Überblick zu behalten, wenn man drei Mal dieselbe Anfrage bekommt und nach dreimaligem Bestätigen eine „Reminder“-Mail bekommt, die mich beschuldigt, ich hätte seit drei Tagen nix von mir hören lassen!

Street Art in Avarua
Street Art in Avarua

Ich habe seit Ende letzter Woche meinen eigenen PC und meinen eigenen Schreibtisch mit eigenem roten Kuli, blauen Kuli, eigener Tippex-Maus und eigenem knallgrünen Marker. Uuh yeah! Leider hat IT-guy Andrew es bisher nicht hingekriegt, Chef Robert zu überzeugen, dass ich Windows 7 brauche um effektiv arbeiten zu können, deswegen habe ich jeden Tag mit unheimlich langsamen e-Mails zu kämpfen und einem Drucker, der meinen PC nicht mag, und dem ich immer alles zwei Mal sagen muss. Alle unsere Unterlagen sind in Excel-Mappen gespeichert, die für mein System leider „zu viele Spaltenbreiten“ haben. Jetzt muss ich mich halt immer an Jeris Schreibtisch schleichen und ihre Mappen einsehen. Aber Jeri ist cool, die hat mir letzten „Raro’s most delicious chicken filets“ bestellt und es war wirklich lecker.

 

Das ist übrigens Highlight der Woche – der Morgen, wenn es von Mousie eine Rundmail gibt mit dem Inhalt „Leute, heut um 9 kommt Peka mit Sushi und Hühnchen!“ und ab 9 sitzt jeder total angespannt auf der Stuhlkante und linst alle paar Sekunden zur Tür. Dann geht irgendwann die Tür auf, jemand brüllt „Peka’s here!“ und die gesamte Reservations-Abteilung springt auf und trampelt sich halb tot bei dem Versuch, als erster bei Peka und ihrer riesigen Warmhaltebox zu sein um sich das allerbeste beste chicken zu sichern. Mousie zahlt dann immer alles, was aus der Box fehlt und im Laufe des Tages kommen allerlei Leute an meinem Schreibtisch vorbei und wedeln Mousie mit Geld vor der Nase rum um ihre Schulden zu begleichen.

das neueste Teil Straße der Insel (um die Erweiterung der Rollbahn rum) und "The Needle" im Hintergrund
das neueste Teil Straße der Insel (um die Erweiterung der Rollbahn rum) und "The Needle" im Hintergrund

Auch sonst, wenn Peka grade nicht den Arbeitsalltag „stört“, herrscht bei uns in der Abteilung gute Laune pur. Der erste, der morgens kommt, macht das Radio an. Wenn es zu doll regnet, gibt’s keinen Empfang – dann wird auf Shannon und ihren i-Pod gewartet. Radio find ich persönlich aber viel amüsanter, denn es gibt soweit ich weiß nur den einen Sender, der „just for you in downtown Avarua“ sitzt und während der gesamten Arbeitszeit (also 8 ganze Stunden lang) von einem einzelnen Kerl moderiert wird. Es läuft ganz viel Musik aus den 70ern und 80ern, das ist sowieso total meine Musik, und ab und zu mal ein bisschen Inselstyle aus Samoa oder was lokales. Heute wars besonders lustig, als Tahei (die sitzt mir gegenüber) plötzlich anfing, lautstark mitzusingen und ich erstmal auf den Text achtete: „You scratch my back, I scratch your back“. Das wird allerdings nur einmal gesungen, aber dem zweiten Refrain heißts „You scratch my back, I scratch your bum“. Na dann…

Black Rock Beach
Black Rock Beach

Fast noch lustiger als Radio sind die Inselnachrichten in der Zeitung. Was so auf der Welt passiert, geht den meisten hier offenbar ziemlich am Hinterteil vorbei. Ich habe mir ein paar Zeitungen aus der Vorweihnachtszeit reingezogen und die wichtigsten Nachrichten auf Seite 1 und 2 beinhalteten des Öfteren einen ausführlichen Bericht der gestohlenen Motorroller der letzten Woche. Und wenn ich ausführlich sage, dann meine ich ausführlichST – auf einer dreiviertel Seite! Auf Rang Zwei der News: andere „Verbrechen“. Zum Beispiel wurde eine der Tankstellen ausgeraubt und „50 Dollars worth of soft drinks“ wurden gestohlen (halbe Seite), ein Ehepaar hat Geld von der Polizei nicht zurückgezahlt gekriegt (viertel Seite), zwei Brüder haben gemeinsam einen drei Kilo schweren Fisch bei der Kid’s Fishing Competition geangelt (halbe Seite), eine indische Krankenschwester, die hier für zwei Jahre ihre Ausbildung im örtlichen Krankenhaus gemacht hatte und bis jetzt in London lebte, hat sich umgebracht (ganze (!) Seite) und so weiter und so fort.
Die Cookinseln sind übrigens Nummer 1 der „overseas wedding celebrations“ für Neuseeländer. Mensch, das sind echt Neuigkeiten!

 

Kurz vor Weihnachten war ein zwei-seitiger Bericht auf den ersten beiden Seiten, der die grandios lustige Story erzählte von Chinesen, die den Neuseeländern ihr ganzes Babyfutter wegfuttern. In irgendwelcher chinesischer Babynahrung wurden demnach schädliche Stoffe gefunden und seitdem vertrauen die Chinesen ihren eigenen Produkten nicht mehr und schicken Verwandte nach Aussie und Neuseeland um dort sämtliche Bestände an Babynahrung aufzukaufen. Für den Artikel wurden Flughafenangestellte interviewt, die von kleinen Chinesinnen berichteten, die unter dem Gewicht ihrer Koffer fast zusammengeklappt sind. Das Durchsuchen der Koffer zeigte bei dutzenden von Chinesinnen nichts (!) als büchsenweise Babynahrung. Es wurde wohl zwischenzeitlich so schlimm, dass es mittlerweile in diversen Läden eine Regel gibt, dass pro Person nur noch drei Büchsen gekauft werden dürfen, denn es gab Mütter, die ihre Babies dann mit aus dem Internet bestelltem Essen ruhigstellen mussten, weil die Läden nicht mit der Lieferung nachkamen. Sachen gibt’s…

Das absolut obertollste ist aber immer noch das „picture of the week“, immerhin auf Seite 2. Da wird ziemlich wahllos wie es scheint irgendein Bild aus dem internationalen Archiv der unwichtigsten Ereignisse der Welt gepickt und das wird dann veröffentlicht. So war anderthalb Wochen vor Weihnachten das Bild der Woche ein Foto von einem weihnachtlichen Gewusel in London beim Versuch, einen Rekord für die meisten Weihnachtsmänner in einer Telefonzelle. In der Ausgabe danach wars ein Schnappschuss von tanzenden Paaren mit riesigem Grinsen auf dem Gesicht und die Bildunterschrift ließ verlauten: „The host Ludwigsburg at the Ballroom Dancing Competition in Ludwigsburg, Germany.“ Was zur Hölle?!

 

Aber ich schweife ab…
Sollte wirklich mal nicht viel auf der Arbeit zu tun sein, gibt es eigentlich doch immer was zu tun. Meist sind es die ein-zwei Stündchen nach der Mittagspause, wo jeder seine Aufträge abgearbeitet hat und sein „Filing“ macht, also Akten und Buchungsblätter einsortiert und das System updated mit den neuesten Änderungen. Dann habe ich nicht wirklich was zu tun – ich habe schließlich noch keine eigenen Akten (außer die bescheuerten Belgier, die zu blöd sind, mir ihre Flugdaten mitzuteilen). Manager Victor oben ist aber immer für ein Schwätzchen zu haben und die Tage saß ich über Mittag ganz lang mit Chef Robert zusammen und habe über meine bevorstehende Bachelorarbeit geredet.

auf Jagd unter meinem Fenster
auf Jagd unter meinem Fenster

Nebenan bei Raro Tours sind sie auch immer froh über Besuch. Die Jungs und Chefin Jane fühlen sich dort ein bisschen ausgeschlossen, weil der gesamte Rest der Firma bei uns im Gebäude sitzt und die dadrüben in ihrer riesigen Garage mit den Bussen, Vans und schicken Limousinen alleine sind. Die Jungs, die da arbeiten, sind alles totale Muskelprotze, die in der Zeit, in der sie nix zu tun haben, an den Bussen rumbasteln. Ich finds toll – die Tage hat einer mein Fahrrad geholt, es nach Hause gefahren, einen neuen Reifen aufgezogen und mir wieder hingestellt, ohne dass ich wirklich was davon mitgekriegt habe. Und mein Gasherd ist jetzt auch repariert und ich habe zur Feier des Tages gleich mal ein Kilo Reis gekocht. Das lief so: ich komme rüber, Jane sieht mich, stoppt mich bevor ich überhaupt anfangen konnte, ihr vom gemeingefährlichen Herd zu berichten und brüllt „BEEEEN, Tanja’s stove, NOOOW!!“ und die Sache war geritzt :D

 

Seit letzter Woche darf ich auch alleine Hotelbuchungen durchführen, dafür muss ich ja dauernd den Hotels mailen und durch einen komischen Zufall hatte ich die ganze Woche über extrem viele Buchungen für ein bestimmtes Resort hier auf der Insel. Der offenbar einzige Zuständige dort heiß Dennis und dann mailen wir eben immer. Zu Beginn war das immer „Bestätige mal.“ – „Ist bestätigt.“ – „Danke.“ Und inzwischen schreibt er sogar nochmal „You too“ zurück, wenn ich ihm unter meiner Bestätigungsmail einen schönen Tag wünsche.
Wenns ganz langweilig wird, gibt’s sowieso noch so Kleinigkeiten wie Schmierzettel mit besonders hübschen Rändern basteln und die Buchung meiner Eltern zum Rumspielen. Die kommen im März und haben es doch tatsächlich mir überlassen, alles hier vor Ort für sie zu organisieren…wenn die wüssten, wodrauf sie sich da eingelassen haben…

 

Außerdem kann ich meine Fähigkeiten im Abkürzen praktisch unendlich ausbauen. Am Anfang war es echt schwer, die Buchungsblätter der anderen zu entziffern, aber inzwischen sehen meine auch fast so aus. Solange man mit australischen, neuseeländischen oder cookinselschen Kunden oder Anbietern kommuniziert, kann man locker 90 Prozent der Wörter abkürzen, damit die Nachricht in eine Zeile passt und die Mail nicht länger werden lässt als nötig. Und weil ich euch mag, gibt’s zum Abschluss eine Kostprobe meiner Fähigkeiten. Ich habe zwei Mails an den Kunden Qantas in Australien zusammengepackt, damit ihr möglichst viel zum Lesen und Rätseln habt (tut mir Leid Omi, dass es nur auf Englisch ist…). Die Auflösung gibt’s im nächsten Blog…bätsch!

 

KIA ORANA RES, BKG KKD AS RQSTD 4 1x2BRM BFR BGL & 1x SPR LGV GRD RM INCL TPL BFST. CRTLY WTG 4 HTL CFN. PLS ADVS DTLS 4 INTL FLT 2 RAR 4 RTN TRF BKG & AIT ACC DTLS. PLS INF IF CLTS RQR A/C IN BRMS & IF ECI OR LCO IS RQRD. TKS, TAN.


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