Not quite so Townsvillean after all...

Ach Leute, ich bin immer noch überzeugter Aussie-Fan, aber wenn man wirklich länger an einem Ort lebt, merke ich doch öfters, was daheim wirklich gut ist und was hier einfach fehlt. Ich bin zwar angekommen, finde mich ohne Stadtplan einigermaßen zurecht und weiß (jedenfalls meistens), wo ich was am günstigsten und besten herbekomme.

Gerade wenn ich meine Mitbewohnerin Mel sehe, merke ich aber doch, dass ich irgendwie die falsche Einstellung habe, um wirklich hier leben zu können. Ein Auto zu haben, ist zwar wirklich praktisch, aber meine Erziehung will doch manchmal, dass ich mit dem Bus fahre. Die deutsche Pünktlichkeit (und ja, ich weiß, dass wir uns alle permanent über Zugausfälle und drei Minuten verspätete Busse aufregen) fehlt einem doch. Die Tage wollte ich zum Shoppingcenter (ich konnte nicht mit Buttercup fahren weil ja unser Prä-Party-Besäuferle bei Olga anstand), das ist eine zehnminütige Busfahrt entfernt und der Bus fährt laut Fahrplan alle zehn Minuten. Da kam die Dreiviertelstunde Warten doch ziemlich unerwartet.

 

Die Aussies sind genauso drauf wie die Busse (auch wenn sie die kaum benutzen), man kommt halt wenn einem grad danach ist. Was geplantes wird umgeplant oder spontan abgesagt oder umgelegt oder vergessen und alles mit einem „no worries, mate“ abgewunken. Ist zwar alles schön und gut – ich bin ja voll für spontan und so, aber wenn man an die deutsche Mentalität (und höchst verlässliche Freunde) gewöhnt ist, kommt es manchmal doch überraschend, wenn man sich auf ein gemütlich Bierchen nach der Arbeit trifft, und plötzlich tauchen statt nur einem, dutzende andere auch auf, ohne dass man was wusste.

 

Ich glaube, ich hatte schon erwähnt, wie die es hier mit Wasser-sparen-aber-dafür-massig-Strom-verbrauchen haben. Man entdeckt öfters Eigenarten, die es bei uns vermutlich auch gibt, aber nicht so offensichtlich. Wenn man hier abends durch ein Wohngebiet läuft (und dabei komisch angeschaut wird und die Hunde bellen, weil sie es nicht gewohnt sind, dass da jemand ZU FUSS unterwegs ist), sieht man überall Lichter brennen. Dank fehlender Gardinen sieht man überall leere Zimmer, rasend rotierende Deckenventilatoren und brummende Klimaanlagen – wenn es draußen endlich schön angenehm kühl und breezy ist.

 

Während Mel, wenn ihr Müsli alle ist, ins Auto hüpft, eine Minute aus der Einfahrt braucht, 4 Minuten an der Ampel steht, eine halbe Minute fährt, sieben Minuten einen Parkplatz sucht, in fünf Minuten ihre Packung Müsli im Supermarkt sucht und bezahlt und das ganze nochmal zurück auf sich nimmt, laufe ich in zweieinhalb Minuten (wenn die Fußgängerampel rot ist) zum Supermarkt. Und in dieser WG bin nicht ich diejenige, die abnehmen will. Wie nimmt man ab? Richtig – man entscheidet sich für das „gesündere Fastfood“. Wenn man in einem Shoppingcenter (hier oft eine Ansammlung kleiner Geschäfte um einen großen Parkplatz, statt einem großen geschlossenen Einkaufszentrum) was zu essen aussuchen muss, entscheidet man sich eben eher für ein Gericht von der Souvlaki Hut also für Burger und Pommes vom Mäckes.

 

Noch so eine Sache, die mir irgendwie fehlt: Türklingeln. Wir haben zwar eine, weil wir kein Fenster zur Einfahrt raushaben, aber die benutzt niemand. Ich wüsste auch gar nicht, wie und ob und wo die klingelt. Mir ist es schleierhaft, wie Besucher auf sich aufmerksam machen. Rufen die denn immer an, wenn sie vor der Tür stehen und reinwollen? Leute kommen eben einfach rein, wenn die Tür offen steht, brüllen Hallo und gehen wieder. Von ausgeraubten Familien habe ich noch nix gehört, offenbar klappt das gut. Aber der Gedanke an offene Türen und Wertsachen dahinter macht mir doch ein bisschen Angst. Wir haben unsere Haustür immer abgeschlossen. Das Schloss der festen Holztür ist aber irgendwie verdreht, also kann man richtig abschließen nur von innen. Die äußere Fliegengittertür kann man zwar abschließen, aber ein Loch direkt neben dem Schloss erlaubt es, den Finger durchzustrecken und den kleinen Hebel von außen umzulegen…

 

Grundsätzlich sind die Lebenshaltungskosten etwa so wie daheim. Nur einige Lebensmittel sind extrem viel teurer, obwohl sie hier angebaut werden. Es gibt nur sehr dickflüssigen Jogurt, der für meinen guten Geschmack mit Milch verdünnt werden muss. Sahne und Quark gibt es nicht und Olga hat festgestellt, dass Milchprodukte grundsätzlich teurer und seltsamer sind als daheim.
Das lustige ist, dass viele Lebensmittel so heißen wie sie sind. Es gibt Käse, der heißt „Tasty“, Schokolade namens „Crunchy“, „Nice“-Kekse und „Easy“-Instantpfannkuchen, um nur einige wenige zu nennen. Die Aussies sind so ein faules Volk. Und momentan das fetteste der Welt, hat Andreas die Tage rausgefunden.

 

Was das Geld angeht, sind sie auch leicht wunderlich manchmal. An die überteuerten Alkoholpreise gewöhnt man sich mit der Zeit (auch wenn ich immer noch überzeugt bin, dass neun Dollar reichlich viel sind für 300ml Bier), aber die Prioritäten der Einheimischen sind doch manchmal unverständlich. Mel hat mir die Tage noch weisgemacht, dass sie nicht zu den bescheuerten Mädels (sie hat Wörter benutzt, für die mir mein Blog zu gut ist) gehört, die anfangen zu shoppen und dann nicht mehr aufhören, bis sie kein Geld mehr übrig haben. Eine halbe Stunde (und siebzehn Unterbrechungsversuche meinerseits) später kam dann die wunderbar bescheuerte Aussage: „Man, I just freaking died when I saw the bill for 250 dollars I have spent on my Halloween costume!“ Nachdem sie dachte, die dreißig Dollar auf ihrem Konto reichen locker für ein Kostüm, wurde die Rechnung also um schlappe 220 Dollar höher als erwartet und womit hat sie sie bezahlt? Mit dem Geld auf unserem Mietkonto. Also praktisch mit dem Geld, das ich in meiner Großzügigkeit zwei Wochen im Voraus einzahle. Übrigens: in ihrem tollen Medusa-Kostüm hat sie es gestern ganze zwei Stunden auf der Halloween-Party ausgehalten. Na, ob sich die viertel Kilodollars ausgezahlt haben? Ich bezweifel es…

 

Grüßle und haltet duch – bei so einem frühen Wintereinbruch habt ihr vielleicht ein tropisches Weihnachtsfest… ;)

 

 

 

 


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