One day I will kill my Moto

Nachdem unser Mini-Stadtbummel sich fast zu einer ausgewachsenen Flipflop-Wanderung ausgedehnt hat und wir ohne es zu wissen bis in den nächsten Ort Firostefani geschlappt waren, wurde doch ein Päuschen nötig, bevor es zurück zu unserem Pseudo-Zelt ging.

Hauptstadt Fira
Hauptstadt Fira

Das erste santorinische Bier gab es also mit perfektem Ausblick über die perfekten kleinen weißen Häuschen, die die gesamte Steilküste über dem perfekten Mittelmeer säumen. Ob ich das griechische Bier wirklich mag, konnte ich nicht so richtig entscheiden – ich hab meistens eine Sprite dazubestellt…nur um sicherzugehen. Um auch wirklich alles mitzunehmen, was im Päuschen möglich war, überredete mich Camilla auch gleich noch zu einer typisch griechischen Baklava, einer etwas abgespeckten Version des Apfelstrudels, nur mit sehr viel Zimt (dadrauf stehen die hier) und fester und mit Eis statt mit Vanillesoße und so unglaublich süß, dass ich vermutlich alleine keinen aufessen hätte können.

 

Downtown Fira
Downtown Fira

Neben den Touristengassen am Berg entlang quetschten wir uns an den weißen Hauswänden entlang, bis wir endlich aus dem Trubel herauswaren und die verwinkelte Innenstadt Firas gegen heruntergekommene und von Touristen weitestgehend gemiedenen Sträßchen tauschten. Ruinen haben die hier wirklich viele. Und vor allem auch von Häusern, die nie fertig gebaut wurden. Die Finanzkrise ist sehr offensichtlich überall sichtbar: Häuser ohne Dächer, Häuser ohne Wände, abblätternde Farbe, abblätternder Putz, herausgesprungene Fensterscheiben, Türen die schief in den Angeln hängen. Schade, denn die traditionell griechische Insel-Architektur ist eigentlich echt interessant mit ihren runden Dächern ohne Ziegel und den schlicht weißen Wänden ohne Schnickschnack.

 

Aussicht in Fira
Aussicht in Fira

Camilla erzählte mir, dass man in Griechenland erst Steuern zahlen muss, wenn sein Haus ein Dach und vier Wände hat. Viele bauen daher erstmal die Fundamente, Treppen und Eckpfeiler. Wenn dann eine Finanzkrise wie in den letzten Jahren dazwischenkommt, bleibt das eben alles so stehen, wie es ist. Bis wieder Geld da ist. Wenn man aus der Hauptstadt Fira rauskommt und ein bisschen über die Insel cruist, sieht man alle paar hundert Meter solche Häuser ohne Dach und ohne Wände. Weil die Inhaber ja aber für das Grundstück bezahlt haben, werden sie meist trotzdem irgendwie genutzt, z.B. als Carport, damit die Autositze nicht so heiß sind. Ein Haus haben wir gesehen, das hatte das Erdgeschoss fertig gebaut, nur der zweite Stock war noch offen (und steuerfrei). Sie hatten eine Leiter an die Außenwand gestellt und oben zwischen den Eckpfeilern hing die Wäsche zum Trocknen im Schatten. Naja…immerhin was.

 

Hauptverkehrsmittel in Fira
Hauptverkehrsmittel in Fira

Nach dem Einrichten im Zelt (was dank minimalem Platz und minimalem Reisegepäck ganze 7 Minuten in Anspruch nahm) ging es auch gleich wieder in die Stadt los, denn zur Dämmerung wollten wir natürlich pünktlich zum Nachtleben im Zentrum des Geschehens sein. Und mann, ist das ein Anblick, wenn die ganzen weißen Häuschen beleuchtet sind vor der Kulisse des knallschwarzen Wassers, auf dem nur ein paar Bötchen bunt blinken!

 

 

 

Als Tourist wird man ja in Griechenland an den Touri-Orten immer an jeder Ecke von Restaurantmitarbeitern angequatscht, ob wir nicht bei ihnen essen wollen. Mich persönlich stört das extrem, wenn man mir eine klebrige Speisekarte unter die Nase hält und mich überreden will, dass ich jetzt Hunger auf Hummer und Muscheln hab (das hab ich nämlich nie), aber mit Camilla kann man sowas machen und sie quatscht dann zurück, bis sie lockerlassen und von uns gelangweilt sind. Weil wir ganz schrecklichen Appetit auf Knobi-Brot hatten (und auf Knobi, da stehen die Griechen ja total), stoppten wir an einem schicken Restaurant, wo uns der nette Albert anquatschte. Wir sagten zu „Klar, wollen wir hier essen! Aber nur, wenn wir Knobibrot bekommen!“ Und Albert meinte nur ganz trocken „Steht nicht auf der Karte. Aber was solls – ich mach’s euch sogar persönlich, wenn es sein muss.“ Und siehe da: nachdem wir 5 seiner Kollegen am Tisch in Verzweiflung gestürzt haben, weil jeder uns Brot und Besteck und nochmal Brot und eine Speisekarte andrehen wollte, bekamen wir doch tatsächlich ein Knobibrot, das nicht auf der Karte stand. Hat doch was gutes, wenn man jemanden dabei hat, der einfach jeden überreden kann, zu tun was auch immer mal von ihm will.

Am nächsten Morgen ging’s gleich aufregend weiter: wir mieteten einen Quad! Wer sich wundert: ja, das ist ein Gefährt mit Motorradsitz, Trittbrettern, einem Lenker, einer Fahrradbremse, keinem Rückwärtsgang und einem Display mit Sprit- und kmh-Anzeige, die vor lauter Sonne bei halbem Tank und 0kmh eingefroren war. Na klasse. Aber es hat dann doch einigermaßen geklappt mit dem Fahren und dem Gesetz-befolgen, denn wir wurden immerhin nicht angehalten, außer von ein paar Eseln, die vor uns die Straße querten.         
Mit diesem seltsamen Fortbewegungsmittel, das man auf den Straßen Santorinis zu tausenden rumdüsen sieht, machten wir uns also auf zur Inselumrundung. Aber nein, erstmal ist Camilla in ein Auto gebrettert, das am Straßenrand vor dem Campingplatz parkte. Aber Vermieter Moto-Chris hat uns nur weitergewunken „ist von meinem Angestellten, zahlt die Versicherung – viel Spaß!“ Ookaay….?

 

Aussicht vom Klosterberg Elias Thira
Aussicht vom Klosterberg Elias Thira

Erster Stopp: Perissa. Aber leider haben wir nicht hingefunden, sind irgendwo falsch abgeborgen, den wohl einzigen richtigen nennenswerten Berg der Insel raufgeschnauft, an einer verlassenen Armeeanlage vorbei und plötzlich stehen wir da, wo schon drei Touristenbusse voller Japaner stehen: an einem tollen alten Kloster mit grandiosem Ausblick über ganz Santorini! Dem einäugigen Klosterkater und den vielen vielen Echsen mussten wir natürlich kurz Hallo sagen, dann ging es auch schon wieder in halsbrecherischem Tempo den Berg runter (die Bremsen waren auch nicht mehr das neueste Modell) – aber glücklicherweise war Moto-Chris so schlau gewesen uns Helme mitzugeben.

 

Zweiter Stopp: Perissa. Diesmal aber wirklich. Hier ist der Strand schwarz und so heiß, dass man beim ersten Schritt schon denkt, es versengt einem die Zehenunterseiten. Aber der Sand ist sehr grobkörnig, sodass wir 20 Minuten lang Sandpeeling gemacht und uns von oben bis unten im Sand gewälzt haben.              
Über die Coastal Route ging es zum nächsten Strand, diesmal normal „gelber“ Sand und den kompletten Küstenstreifen entlang wie die typischen fürchterlichen Touristenstrände – ein Streifen Geschäfte, ein Streifen Straße, ein Streifen Sonnenschirme und akribisch ausgerichtete Sonnenliegen, Wasser. Wer’s mag…

 

schwarzer Strand in Perissa
schwarzer Strand in Perissa

In Perissa tat es mitten auf der Hauptstraße einen Schlag und mit einem lauten Plonk fiel unser rechter Scheinwerfer aus seinem Loch in der Motorhaube. Uuups…aber Moto-Chris schickte gleich einen seiner Kollegen vor Ort, der reparierte uns in einer halben Stunde die Lampe (genau die halbe Stunde, die wir brauchten um meinen ersten griechischen Gyros zu essen) und weiter ging die ruckelige Fahrt.

 

roter Strand bei Akrotiri
roter Strand bei Akrotiri

Dritter Stopp: Akrotiri (das wir auf unserer seltsamen Karte ganze fünf Mal an drei verschiedenen Ecken der Insel fanden…). Hier ist der Strand plötzlich rot. Auf einem Parkplatz, an dem wir schon erahnen konnten, wie voll der Strand sein würde, parkten wir unser treues (ähäm…) Quad im manuellen Rückwärtsgang indem Camilla den Lenker drehte und ich an der Heckstange zog. Und dann geht ein kleiner Trampelpfad den Hügel hinauf an einer hübschen kleinen weißen Kirche und oben angekommen eröffnet sich einem der Blick über eine grandiose rote Steilwand mit einem kleinen Strand drunter. Rot ist eigentlich nur der Fels hintendran – wobei man beim Strand nicht wirklich sagen konnte, welche Farbe er hatte, weil er eigentlich nur vor Touristen so wuselte. Also entschieden wir uns für keine-Lust-auf-das-Gedränge und marschierten wieder zurück.

 

irgendwo auf halbem Weg plötzlich ein Restaurant mit DIESER Aussicht!
irgendwo auf halbem Weg plötzlich ein Restaurant mit DIESER Aussicht!

Weil wir unserem fahrbaren Untersatz nicht mehr wirklich trauten, ließen wir Stopp Nr. 4 (den weißen Strand) aus und machten uns gleich auf den Kringel zurück Richtung Fira. Doch kamen wir nur den halben Weg und direkt oberhalb des neuen Hafens ging der Motor mitten auf freier Strecke plötzlich aus. Weil die Griechen ja nette Leute sind und das irgendwie auf die Besucher abfärbt, blieben gleich 2 Rollerfahrer und ein anderes Quad-Duo stehen um uns zu helfen, doch der Tank war voll und der Motor surrte, wenn er denn ansprang, und es war nichts seltsames zu entdecken. Moto-Chris am Telefon hatte schon sowas befürchtet und schickte uns seinen Moto-Untertanen mit neuen Zündkerzen und weiter ging die Fahrt. Und weil Moto-Chris so ein feiner Kerl ist (und weil Camilla sich ganz beeindruckend wütend aufregen kann), wurde unser Moto gegen ein noch größeres Modell ausgetauscht, sodass wir abends nochmal los konnten.

 

Oia Sunset
Oia Sunset

Fünfter Stopp: Oia (oder auch Ia) am Nordzipfel Santorins. Hier gibt es den schönsten Sonnenuntergang Griechenlands. Die Santoriner sagen natürlich „der Welt“, aber ich war in der Südsee, also zählt das nicht. Aber immerhin gibt es hier wenigstens Griechenlands vermeintlich „meistgenutzten Fleck für einen Heiratsantrag“. Ob ich einen Heiratsantrag bei dem ganzen Rummel überhaupt hören würde, wage ich zu bezweifeln, denn vom Sonnenuntergang sieht man weniger als von den Hinterköpfen der Sonnenuntergangssüchtigen. Denn ganz Oia ist jeden Abend, den es nicht bewölkt ist, wimmelt nur so vor Touristen, die den tollen tollen Sonnenuntergang sehen wollen. Und ja, eindrucksvoll ist er schon, aber weniger wegen der Sonne als wegen der tollen alten Windmühle mitten im Ort, die aussieht wie direkt den Fängen von Don Qichote entflohen.

 

in Oia sind zur Sonnenuntergangszeit alle erdenklichen Sitz- und Stehplätze besetzt
in Oia sind zur Sonnenuntergangszeit alle erdenklichen Sitz- und Stehplätze besetzt

Zurück über eine Straße am Hang mit zwei Funzeln als Rücklichter war ein Abenteuer an sich. Aber wir taten was für die Umwelt: wegen uns mussten die 50 Autos, die sich hinter uns stauten, ein gleichmäßiges Tempo von 20kmh den Berg raufzuckeln. 
Und wieder in der Zivilisation angekommen gab es auch Zakanaki zu probieren: Kääääse! Und zwar aus der Pfanne und salzig gewürzt, schon sehr lecker sowas. Weil die Aufregung des Tages eh schon so groß war, ging es nach dem Abendessen gleich weiter zu Dimitris‘ Tattoostudio, wo Camilla ihre erste Tinte auf den Fuß bekam und um meinen Sonnenbrand zu heilen machten wir uns abends am Campingplatz zum Affen, indem wir meine Beine zentimeterdick mit griechischem Jogurt einpinselten. Na, ob das was hilft…

 

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